Uebung_205b: Interlock: ILOCK_SWITCH_PROTECT (Motor Reversierung Priorität mit Schutzzeit)¶
Einleitung¶
Diese Übung zeigt die Realisierung einer Motor-Umkehrverriegelung mit Prioritätsschutz und einer Schutzzeit. Mit Hilfe des Funktionsbausteins ILOCK_SWITCH_PROTECT wird sichergestellt, dass ein Motor nicht gleichzeitig in beide Drehrichtungen (Rechts‑ und Linkslauf) geschaltet werden kann. Ein zusätzlicher Low‑Side‑Treiber schaltet die gemeinsame Versorgung. Die Schutzzeit DT_PROTECT von 1 s verhindert ein zu schnelles Umschalten und schützt die Leistungselektronik.
Verwendete Funktionsbausteine (FBs)¶
Eingangsbausteine – Digitale Eingänge¶
- DigitalInput_I1 (Typ
logiBUS::io::DI::logiBUS_IX) - Parameter:
QI = TRUE,Input = Input_I1 -
Funktion: Erfasst das Signal des ersten Tasters/Sensors (z. B. „Rechts starten“) und gibt es als Ereignis
INDund DatenwertINweiter. -
DigitalInput_I2 (Typ
logiBUS::io::DI::logiBUS_IX) - Parameter:
QI = TRUE,Input = Input_I2 - Funktion: Erfasst das Signal des zweiten Tasters/Sensors (z. B. „Links starten“) und gibt es als Ereignis
INDund DatenwertINweiter.
Verriegelungsbaustein¶
- ILOCK (Typ
logiBUS::signalprocessing::interlock::ILOCK_SWITCH_PROTECT) - Parameter:
DT_PROTECT = T#1s - Funktion: Realisiert die Verriegelung zwischen zwei Richtungen.
- Ereigniseingänge:
EI_UP(Rechts anfordern),EI_DOWN(Links anfordern) - Datenausgänge:
DO_UP,DO_DOWN(Freigabe der Richtungen) - Ereignisausgänge:
EO_UP,EO_DOWN(Bestätigung der Freigabe) - Intern wird bei einer Richtungsänderung die Schutzzeit
DT_PROTECTgestartet, bevor die andere Richtung freigegeben werden kann. - Adapter
timeOutgibt den Timerstatus an denE_TimeOut‑Baustein weiter.
- Ereigniseingänge:
Ausgangsbausteine¶
- Rechtslauf (Typ
logiBUS::io::DQ::logiBUS_QX) - Parameter:
QI = TRUE,Output = Output_Q5 -
Funktion: Schaltet den Ausgang für die Rechtslaufspule (Q5), wenn über
REQundINdie Freigabe vom ILOCK kommt. -
Linkslauf (Typ
logiBUS::io::DQ::logiBUS_QX) - Parameter:
QI = TRUE,Output = Output_Q6 -
Funktion: Schaltet den Ausgang für die Linkslaufspule (Q6), wenn über
REQundINdie Freigabe vom ILOCK kommt. -
LowSide_Treiber (Typ
logiBUS::io::DQ::logiBUS_QX) - Parameter:
QI = TRUE,Output = Output_Q56 - Funktion: Schaltet die gemeinsame Versorgung (Q56) für beide Richtungen. Wird aktiviert, sobald eine der beiden Freigaben (
DO_UPoderDO_DOWN) anliegt.
Logikbaustein¶
- OR_2_BOOL (Typ
iec61131::bitwiseOperators::OR_2_BOOL) - Funktion: Logische ODER-Verknüpfung der beiden Freigabesignale (
DO_UPundDO_DOWN).- Eingänge:
IN1,IN2 - Ausgang:
OUT– ergibtTRUE, wenn mindestens eine Richtung freigegeben ist.
- Eingänge:
Timerbaustein¶
- E_TimeOut (Typ
iec61499::events::E_TimeOut) - Funktion: Dient der Visualisierung/Überwachung der Schutzzeit. Er ist über den Adapter
timeOutmit dem ILOCK verbunden und zeigt den Status des laufenden Timers an (z. B. für Diagnosezwecke).
Programmablauf und Verbindungen¶
- Eingangsverarbeitung
- Die digitalen Eingänge
Input_I1(Rechts) undInput_I2(Links) werden über die BausteineDigitalInput_I1undDigitalInput_I2erfasst. -
Bei einer Flanke wird ein Ereignis (
IND) an den ILOCK gesendet. -
Verriegelung durch ILOCK
- Der ILOCK prüft, ob eine Richtungsänderung zulässig ist.
- Bei einem Umschaltwunsch wird die Schutzzeit von 1 s gestartet.
- Erst nach Ablauf der Schutzzeit wird die neue Richtung freigegeben und das entsprechende Ereignis (
EO_UP/EO_DOWN) sowie der Datenwert (DO_UP/DO_DOWN) ausgegeben. -
Der Adapter
timeOutliefert den Timerstatus an denE_TimeOut, der z. B. in einer HMI‑Anzeige verwendet werden kann. -
Ansteuerung der Ausgänge
EO_UPtriggert den BausteinRechtslauf, der den AusgangOutput_Q5setzt.EO_DOWNtriggert den BausteinLinkslauf, der den AusgangOutput_Q6setzt.- Parallel werden die Datenausgänge
DO_UPundDO_DOWNan die ODER‑Verknüpfung (OR_2_BOOL) weitergeleitet. -
Das ODER‑Signal aktiviert den
LowSide_Treiber, der die gemeinsame VersorgungOutput_Q56einschaltet. Dadurch fließt nur dann Strom, wenn mindestens eine Richtung aktiv ist. -
Schutzmechanismus
- Die Schutzzeit verhindert, dass bei schnellem Wechsel der Anforderung (Prellen, Fehlbedienung) die Ausgänge zu schnell umschalten, und schützt so die Motorbrücke.
Zusammenfassung¶
Die Übung 205b demonstriert eine industriegerechte Motor‑Umkehrschaltung mit Prioritätsverriegelung (ILOCK_SWITCH_PROTECT). Durch die integrierte Schutzzeit wird ein zu schnelles Umschalten zwischen Rechts‑ und Linkslauf unterbunden. Ein Low‑Side‑Treiber sorgt für die saubere Trennung der Versorgung. Der Einsatz von logiBUS‑ und IEC‑61131‑Bausteinen macht die Lösung hardwarenah und in SPS‑Projekten wiederverwendbar.
Lernziele:
- Verriegelungskonzepte für Motorsteuerungen verstehen
- Umgang mit dem Funktionsbaustein ILOCK_SWITCH_PROTECT
- Anwendung von ODER‑Verknüpfungen zur Freigabe von Gemeinschaftsausgängen
- Interpretation von Schutzzeiten in der Steuerungstechnik
Schwierigkeitsgrad: Fortgeschrittene Einsteiger (Grundlagen der IEC 61499 und logiBUS‑Hardware werden vorausgesetzt).