ILOCK_T_FF_SR¶
Einleitung¶
Der Funktionsblock ILOCK_T_FF_SR ist ein zusammengesetzter Baustein (Composite FB), der ein verriegelbares Toggle-Flipflop mit Set- und Reset-Funktionalität realisiert. Er besitzt eine Adapter-Schnittstelle (AE2), die eine bidirektionale Kommunikation mit anderen Instanzen ermöglicht und zur Interlock-Verkettung dient. Das Flipflop schaltet seinen Ausgang Q bei jedem steigenden Flanke des Clock-Eingangs CLK um, sofern kein Reset- oder Set-Ereignis anliegt. Die Verriegelung erfolgt über die Adapter, die von externen Bausteinen gesetzt werden können.
Schnittstellenstruktur¶
Ereignis-Eingänge¶
| Name | Typ | Beschreibung |
|---|---|---|
S |
Event | Setzt den Ausgang Q auf TRUE |
R |
Event | Setzt den Ausgang Q auf FALSE |
CLK |
Event | Clock-Ereignis – löst einen Toggle des Ausgangs Q aus |
Ereignis-Ausgänge¶
| Name | Typ | Beschreibung |
|---|---|---|
EO |
Event | Wird nach jeder Änderung des internen Zustands (Set, Reset oder Toggle) ausgelöst |
Daten-Eingänge¶
Keine.
Daten-Ausgänge¶
| Name | Typ | Beschreibung |
|---|---|---|
Q |
BOOL | Aktueller Zustand des Flipflops (TRUE = gesetzt, FALSE = zurückgesetzt) |
Adapter¶
| Name | Typ | Richtung | Beschreibung |
|---|---|---|---|
ILOCK_IN |
AE2 (bidirektional) | Socket (Eingang) | Ermöglicht den Empfang von Verriegelungssignalen von vorgeschalteten Bausteinen |
ILOCK_OUT |
AE2 (bidirektional) | Plug (Ausgang) | Sendet Verriegelungssignale an nachgeschaltete Bausteine |
Die Adapter ILOCK_IN und ILOCK_OUT sind Typ AE2 (allgemeiner, bidirektionaler Adapter). Sie werden verwendet, um mehrere Instanzen des Bausteins zu einer Kaskade zu verbinden, sodass ein gesetzter Zustand eines Bausteins andere Bausteine zurücksetzen kann (Interlock).
Funktionsweise¶
Der Baustein basiert auf einem internen Netzwerk, das aus drei primitiven Funktionsblöcken besteht: einem E_SR (Set/Reset-Flipflop), einem E_SWITCH (ereignisgesteuerter Umschalter) und einem E_MERGE_2 (Ereignis-Zusammenführer).
- Setzen (
S): Ein Ereignis anSwird überE_MERGE_2direkt an den Set-Eingang desE_SRgeleitet. Der AusgangQwird auf TRUE gesetzt. Gleichzeitig werden die Ereignisse über die Adapter an die verbundenen Bausteine weitergegeben. - Rücksetzen (
R): Ein Ereignis anRgeht direkt an den Reset-Eingang desE_SR. Der AusgangQwird auf FALSE gesetzt. Auch von den Adaptern eingehende Reset-Signale (überILOCK_IN.EO1undILOCK_OUT.EI1) führen zum Rücksetzen. - Toggle (
CLK): Ein Ereignis anCLKwird demE_SWITCHzugeführt. Dessen SteuereingangGist mit dem aktuellen AusgangQverbunden. - Ist
Q = FALSE, wird das Clock-Ereignis über den AusgangEO0anE_MERGE_2.EI2weitergeleitet und von dort zum Set-Eingang desE_SR. Somit wirdQauf TRUE gesetzt. -
Ist
Q = TRUE, wird das Clock-Ereignis über den AusgangEO1direkt an den Reset-Eingang desE_SRgelegt.Qwird auf FALSE gesetzt. Dadurch entsteht das Toggle-Verhalten: Jeder Clock-Impuls kehrt den aktuellen Zustand vonQum. -
Verriegelung (Interlock): Die Adapter
ILOCK_INundILOCK_OUTsind so verschaltet, dass ein eingehendes Ereignis vonILOCK_IN(z.B. von einem vorherigen Baustein) den Reset-Eingang auslöst und gleichzeitig überILOCK_OUTan den nächsten Baustein weitergereicht wird. So kann eine Kette von Flipflops aufgebaut werden, bei der immer nur einer aktiv sein darf.
Nach jeder Zustandsänderung wird der Ereignisausgang EO ausgelöst.
Technische Besonderheiten¶
- Composite FB: Der Baustein ist als Netzwerk aus IEC 61499-Elementarmodulen realisiert. Dadurch ist das Verhalten transparent und nachvollziehbar.
- Bidirektionale Adapter: Die Verwendung des Adaptertyps
AE2ermöglicht eine flexible Kopplung, sowohl als Socket (Eingang) als auch als Plug (Ausgang). - Konfliktbehandlung: Wenn gleichzeitig ein Set- und ein Reset-Ereignis eintreffen (z.B.
SundR), hat das Reset-Vorrang, da der Reset-Eingang desE_SRmehrere Quellen hat und priorisiert behandelt wird. Die genaue Priorität ergibt sich aus der E_SR-Implementierung (Standard: Reset hat Vorrang vor Set). - Keine Daten-Eingänge: Der Baustein arbeitet rein ereignisgesteuert; der Zustand wird nur durch Ereignisse verändert.
Zustandsübersicht¶
Das interne Flipflop E_SR kennt die zwei Zustände:
- Zustand FALSE (Q = FALSE): Der Ausgang ist zurückgesetzt. Ein Clock-Ereignis führt zum Setzen.
- Zustand TRUE (Q = TRUE): Der Ausgang ist gesetzt. Ein Clock-Ereignis führt zum Rücksetzen.
Ein Set-Ereignis (S) führt unabhängig vom aktuellen Zustand immer in den Zustand TRUE.
Ein Reset-Ereignis (R) führt unabhängig vom aktuellen Zustand immer in den Zustand FALSE.
| Aktueller Zustand | Ereignis | Neuer Zustand | Ausgangsaktionen |
|---|---|---|---|
| FALSE | S |
TRUE | EO wird ausgelöst |
| FALSE | R |
FALSE | EO wird ausgelöst |
| FALSE | CLK |
TRUE | EO wird ausgelöst |
| TRUE | S |
TRUE | EO wird ausgelöst |
| TRUE | R |
FALSE | EO wird ausgelöst |
| TRUE | CLK |
FALSE | EO wird ausgelöst |
Die Adapter-Ereignisse wirken wie ein externer Reset und setzen den Zustand auf FALSE.
Anwendungsszenarien¶
- Interlock-Steuerung in Sicherheitskreisen: Mehrere Maschinen oder Antriebe sollen sich gegenseitig verriegeln. Nur eine darf zu einem Zeitpunkt aktiv sein. Durch Verkettung mehrerer
ILOCK_T_FF_SRkann sichergestellt werden, dass stets nur ein Flipflop gesetzt ist. - Zustandsmaschinen mit wechselnden Modi: Der Baustein eignet sich als Toggle-Flipflop, das durch externe Set/Reset-Signale übersteuert werden kann, z.B. für manuelle Eingriffe.
- Kaskadierte Schaltungen mit Rückmeldung: Die Adapter-Schnittstelle ermöglicht das einfache Einbinden in bestehende AE2-basierte Kommunikationsstrukturen.
Vergleich mit ähnlichen Bausteinen¶
- Standard T-FF (IEC 61499
E_T_FF): Bietet nur Toggle-Funktion ohne separate Set/Reset-Eingänge. DerILOCK_T_FF_SRerweitert dies um die Set- und Reset-Steuerung. - Standard SR-FF (z.B.
E_SR): Hat nur Set und Reset, kein Toggle. Der vorliegende Baustein kombiniert Toggle mit SR. - Baustein mit Verriegelung (Interlock): Viele herstellerspezifische Blöcke realisieren Interlock über Busse; dieser Baustein nutzt standardisierte Adapter (AE2) und ist dadurch portabler.
Fazit¶
Der ILOCK_T_FF_SR ist ein vielseitiger Funktionsblock, der ein Toggle-Flipflop mit Set/Reset und einer Interlock-Schnittstelle vereint. Die klare Trennung zwischen Logik und Adapter-Anbindung erlaubt den Aufbau sicherer, kaskadierbarer Schaltungen. Durch die Verwendung von IEC 61499-Standardbausteinen bleibt das Verhalten nachvollziehbar und erweiterbar.