AX_INTERLOCK_2
Einleitung
Der Funktionsblock AX_INTERLOCK_2 ist ein ereignisgesteuerter, bistabiler Baustein mit Toggle-Funktionalität und einem dualen Verriegelungsmechanismus (Interlock). Er dient zur Steuerung zweier unabhängiger, aber gegenseitig ausschließender Ausgänge. Der Baustein kombiniert Set-, Reset- und Toggle-Funktionen für zwei Kanäle und stellt sicher, dass immer nur einer der beiden Ausgänge aktiv sein kann.
Schnittstellenstruktur
Ereignis-Eingänge
SET1: Setzt den Ausgang OUT1.
CLK1: Dient als Takt (Clock) und löst bei einem Ereignis ein Toggle (Umschalten) des Ausgangs OUT1 aus.
SET2: Setzt den Ausgang OUT2.
CLK2: Dient als Takt (Clock) und löst bei einem Ereignis ein Toggle (Umschalten) des Ausgangs OUT2 aus.
R: Setzt alle Ausgänge zurück (Reset).
Ereignis-Ausgänge
Keine direkten Ereignisausgänge vorhanden. Die Ausgabe erfolgt über Adapter.
Daten-Eingänge
Keine Dateneingänge vorhanden.
Daten-Ausgänge
Keine direkten Datenausgänge vorhanden. Die Datenausgabe erfolgt über Adapter.
Adapter
OUT1: Unidirektionaler Adapter vom Typ
adapter::types::unidirectional::AX. Überträgt den Zustand des ersten Flip-Flops (TRUE/FALSE).OUT2: Unidirektionaler Adapter vom Typ
adapter::types::unidirectional::AX. Überträgt den Zustand des zweiten Flip-Flops (TRUE/FALSE).
Funktionsweise
Der AX_INTERLOCK_2 ist als Basic Function Block (BFB) implementiert und besitzt einen Execution Control Chart (ECC) mit vier Zuständen: START, SET1, SET2 und RESET.
Ausgangszustand (
START): Beide Ausgänge sind inaktiv (FALSE).Setzen/Togglen eines Ausgangs: Bei einem
SET1- oderCLK1-Ereignis wechselt der ECC in den ZustandSET1. Hier wird der AlgorithmusSET1ausgeführt, derOUT1.D1auf TRUE setzt. Gleichzeitig wird der AlgorithmusRESET2ausgeführt, derOUT2.D1auf FALSE setzt. Dies stellt die gegenseitige Verriegelung sicher. Analog funktioniert dies fürSET2/CLK2mit dem ZustandSET2.Reset: Ein
R-Ereignis führt unabhängig vom aktuellen Zustand in denRESET-Zustand. Hier werden beide Ausgänge (OUT1.D1undOUT2.D1) über die AlgorithmenRESET1undRESET2auf FALSE gesetzt.Rückkehr in den Startzustand: Nach der Ausführung der Aktionen in den Zuständen
SET1,SET2oderRESETerfolgt ein automatischer Übergang (Condition=1, also immer wahr) zurück in denSTART-Zustand. Der Baustein ist dann bereit für das nächste Eingangsereignis.
Die Toggle-Funktion wird durch die CLK1- und CLK2-Eingänge realisiert. Ein CLK1-Ereignis im START-Zustand führt zum Zustand SET1 und aktiviert somit OUT1 (falls es vorher aus war). Befand sich der Baustein bereits im Zustand SET1, würde ein weiteres CLK1-Ereignis (nach Rückkehr in START) erneut in SET1 führen, was jedoch keine Zustandsänderung bewirkt, da OUT1 bereits TRUE ist. Die eigentliche Toggle-Logik (Umschalten zwischen TRUE/FALSE) muss durch die externe Logik, die die CLKx-Ereignisse generiert, in Abhängigkeit vom aktuellen Ausgangszustand realisiert werden.
Technische Besonderheiten
Dualer Interlock: Die gegenseitige Ausschließlichkeit der Ausgänge ist hart im Zustandsübergang verankert. Im Zustand
SET1wird immer auchRESET2aufgerufen und umgekehrt.Priorität: Ein globales Reset-Ereignis (
R) hat Vorrang und setzt beide Ausgänge zurück, unabhängig von anderen anstehenden Ereignissen oder dem aktuellen Zustand.Adapter-basierte Ausgabe: Die Ausgabewerte werden nicht über klassische Datenausgangspins, sondern über unidirektionale Adapter bereitgestellt. Dies ermöglicht eine saubere, typisierte Schnittstelle zur Anbindung anderer Bausteine.
Zustandsübergang
START (beide Ausgänge FALSE)
Bei
SET1oderCLK1-> SET1 (OUT1=TRUE, OUT2=FALSE)Bei
SET2oderCLK2-> SET2 (OUT1=FALSE, OUT2=TRUE)Bei
R-> RESET (OUT1=FALSE, OUT2=FALSE)
SET1 (OUT1=TRUE, OUT2=FALSE)
Automatischer Übergang -> START
SET2 (OUT1=FALSE, OUT2=TRUE)
Automatischer Übergang -> START
RESET (beide Ausgänge FALSE)
Automatischer Übergang -> START
Anwendungsszenarien
Steuerung gegensätzlicher Aktoren: Ideal für die Ansteuerung von zwei Aktoren, die nie gleichzeitig aktiv sein dürfen, wie z.B. „Ventil Öffnen“ / „Ventil Schließen“ oder „Vorwärts“ / „Rückwärts“ bei einem Antrieb.
Betriebsartenschaltung: Umschaltung zwischen zwei verschiedenen Betriebsarten einer Maschine (z.B. „Automatik“ / „Manuell“), wobei sichergestellt wird, dass nur eine aktiv ist.
Toggle-Funktion mit Sicherheit: Bereitstellung einer Toggle-Funktion (z.B. für ein Hand-/Ausschaltgerät), die mit einer gegenseitigen Verriegelung kombiniert ist.
⚖️ Vergleich mit ähnlichen Bausteinen
E_RS / E_SR (Bistabile Flip-Flops): Diese klassischen Bausteine bieten Set/Reset für einen einzigen Ausgang. Der
AX_INTERLOCK_2erweitert dieses Konzept um einen zweiten Kanal mit integrierter gegenseitiger Verriegelung und separaten Toggle-Eingängen.E_TOGGLE: Bietet eine reine Toggle-Funktion für einen Ausgang. Der
AX_INTERLOCK_2bietet Toggle-Funktionalität für zwei Kanäle, jedoch mit dem wesentlichen Zusatz der zwingenden gegenseitigen Ausschließlichkeit (Interlock).E_D_FF (D-Flip-Flop): Übernimmt einen Datenwert taktgesteuert. Der
AX_INTERLOCK_2hat keine Dateneingänge; sein Zustand wird ausschließlich durch die Ereigniseingänge bestimmt.
Fazit
Der AX_INTERLOCK_2 ist ein spezialisierter Steuerbaustein für Anwendungen, bei denen zwei sich gegenseitig ausschließende Zustände sicher verwaltet werden müssen. Durch die Kombination von bistabilen Set/Reset-Funktionen, Toggle-Möglichkeiten und einer hart verdrahteten gegenseitigen Verriegelung reduziert er den Programmieraufwand und erhöht die Zuverlässigkeit der Steuerungslogik. Die Verwendung von Adaptern für die Ausgabe fördert eine modulare und gut strukturierte Anwendungsarchitektur.