OR_6_BOOL
Einleitung
Der Funktionsblock OR_6_BOOL ist ein generischer Baustein zur Berechnung der logischen ODER-Verknüpfung. Er führt eine ODER-Operation über sechs separate BOOL-Eingänge durch und gibt das Ergebnis auf einem einzigen Ausgang aus. Der Baustein folgt dem IEC 61131-3 Standard und ist für den Einsatz in Steuerungsanwendungen konzipiert, in denen mehrere Bedingungen kombiniert werden müssen, um eine Aktion auszulösen.
Schnittstellenstruktur
Ereignis-Eingänge
REQ (Normal Execution Request): Dieses Ereignis löst die Berechnung der ODER-Funktion aus. Es ist mit allen sechs Dateneingängen (
IN1bisIN6) verknüpft.
Ereignis-Ausgänge
CNF (Execution Confirmation): Dieses Ereignis signalisiert den Abschluss der Berechnung. Es wird zusammen mit dem berechneten Ergebnis am Datenausgang
OUTausgegeben.
Daten-Eingänge
IN1 (BOOL): ODER-Eingang 1.
IN2 (BOOL): ODER-Eingang 2.
IN3 (BOOL): ODER-Eingang 3.
IN4 (BOOL): ODER-Eingang 4.
IN5 (BOOL): ODER-Eingang 5.
IN6 (BOOL): ODER-Eingang 6.
Daten-Ausgänge
OUT (BOOL): Ergebnis der ODER-Verknüpfung aller sechs Eingänge. Der Ausgang ist
TRUE, wenn mindestens einer der EingängeTRUEist.
Adapter
Dieser Funktionsblock verfügt über keine Adapterschnittstellen.
Funktionsweise
Die Funktionsweise ist deterministisch und ereignisgesteuert. Bei jedem Eintreffen des Eingangsereignisses REQ werden die aktuellen Werte aller sechs BOOL-Eingänge (IN1 bis IN6) ausgelesen. Anschließend wird die logische ODER-Verknüpfung dieser Werte berechnet. Das Ergebnis dieser Operation wird unmittelbar am Datenausgang OUT gesetzt und gleichzeitig wird das Bestätigungsereignis CNF ausgelöst, um den Abschluss der Operation an nachfolgende Blöcke zu signalisieren.
Die logische Operation entspricht der Formel: OUT = IN1 OR IN2 OR IN3 OR IN4 OR IN5 OR IN6
Technische Besonderheiten
Generischer Baustein: Der Block ist als generischer Baustein gekennzeichnet (
GEN_OR). Dies bedeutet, dass er als Basis für die Erstellung ähnlicher Blöcke mit einer anderen Anzahl von Eingängen dienen kann.Ereignisgesteuerte Ausführung: Die Berechnung erfolgt nur bei Anforderung durch ein Ereignis, was eine effiziente und bedarfsgerechte Abarbeitung im Steuerungssystem ermöglicht.
Feste Eingangsanzahl: Diese spezielle Instanz ist für genau sechs Eingänge festgelegt.
Zustandsübersicht
Der Funktionsblock besitzt keinen internen Zustand oder Speicher. Sein Verhalten ist rein kombinatorisch und hängt ausschließlich von den aktuellen Werten der Eingänge zum Zeitpunkt des REQ-Ereignisses ab. Nach der Ausgabe von CNF verharrt der Block in einem wartenden Zustand bis zum nächsten REQ.
Anwendungsszenarien
Typische Anwendungen sind Überwachungs- und Sicherheitslogiken, bei denen eine Aktion ausgelöst werden soll, wenn eine von mehreren möglichen Bedingungen erfüllt ist.
Not-Aus Logik: Der Block kann genutzt werden, um mehrere Not-Aus-Taster zu überwachen. Wenn irgendeiner der Taster gedrückt wird (
TRUE), wird ein Abschaltsignal (OUT = TRUE) generiert.Alarmaggregation: Mehrere Sensoren, die jeweils einen Fehlerzustand detektieren können, werden zusammengeschaltet. Ein allgemeiner Alarm wird aktiviert, sobald mindestens ein Sensor einen Fehler meldet.
Mehrfachbedienung: In einer Maschine können mehrere Bedienstationen einen Prozess starten. Der Block kombiniert alle Startbefehle zu einem gemeinsamen Startsignal.
⚖️ Vergleich mit ähnlichen Bausteinen
AND_6_BOOL: Führt eine logische UND-Verknüpfung durch. Das Ergebnis ist nur
TRUE, wenn alle EingängeTRUEsind. Im Gegensatz dazu benötigtOR_6_BOOLnur einen wahren Eingang.XOR_BOOL: Führt eine exklusiv-ODER (XOR) Verknüpfung durch. Das Ergebnis ist
TRUE, wenn eine ungerade Anzahl an EingängenTRUEist.OR_6_BOOLunterscheidet nicht zwischen einer oder mehreren wahren Bedingungen. Siehe: OR_6Blöcke mit variabler Eingangsanzahl: Es existieren ODER-Blöcke mit zwei (
OR) oder einer anderen Anzahl von Eingängen.OR_6_BOOLbietet eine feste, für bestimmte Anwendungen optimierte Schnittstelle mit sechs Eingängen.
Fazit
Der OR_6_BOOL Funktionsblock ist ein einfacher, robuster und standardkonformer Baustein zur logischen Signalverknüpfung. Seine Stärke liegt in der klaren, ereignisgesteuerten Schnittstelle und der festen Anzahl von sechs Eingängen, die ihn ideal für Anwendungen macht, die genau diese Anzahl an zu kombinierenden Bedingungen erfordern. Als generischer Baustein unterstützt er zudem die Wiederverwendung und Anpassung innerhalb der 4diac-IDE.